29. Eidg. Jodlerfest Davos – Rückblick

Das Eidgenössische Jodlerfest Davos war ein prachtvolles Fest und ist dem Motto „Farbigs Bruuchtum am Zauberberg“ vollauf gerecht geworden. Aktiven und Festbesuchern wird das Fest in nachhaltiger Erinnerung bleiben.

Die vielen schönen Vorträge, die Höhepunkte mit Festeröffnung, Festakt und Festumzug, die herzlichen Begegnungen, die sprichwörtliche Gastfreundschaft der Davoser Bevölkerung und das friedliche Festen und Feiern – das 29. Jodlerfest reiht sich würdig an die vorangegangenen 28 Eidgenössischen Feste im EJV an und wird in die Geschichte eingehen!

www.jodlerfest-davos.ch

Forum „Ich und unsere Traditionen“

Erfreulich zahlreich war der Besuch der Interessierten am Forum, welches vom EJV in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Musik organisiert wurde. Das Thema war  Alphornblasen. Peter Baumann, Präsident der EidgenössischenFachkommission Alphorn- und Büchelblasen, begrüsste alle herzlich und eröffnete den Anlass mit einem interessanten Referat. „Das heutige Thema ist an sich einfach und gleichzeitig komplex“, sagte Baumann. „Tradition oder heute etwas konkreter ‚Das traditionelle Alphornblasen‘ bzw. ‚ICH; und die Traditionen‘ ist für jeden und jede eine klare Sache. Alle können sich darunter etwas vorstellen, alle können sich davon ein Bild machen. Sind die Bilder kongruent? Entsprechen die Bilder der Realität? Wo liegen allenfalls die Differenzen?“, sagte Baumann und liess diese Fragen für das anschliessende Podium im Raum stehen.

Forum, Thema Alphorn

Podiumsdiskussion zum Thema Alphorn (Bild: swiss-image.ch/Moritz Hager)

Interessantes Podium

Marc-Antoine Camp von der Hochschule Luzern begrüsste seinerseits die Anwesenden und leitete zum Podium über, das vom Musik-Ethnologen Remond Ammann geleitet wurde. Podiumsteilnehmer aus der Alphornszene waren Georg Hunziker, David Girod, Armin Zollet, Eliane Burki, Charlotte Vignau, Hans-Jürg Sommer und Hermann Studer. Die Diskussion um die unterschiedlichen Alphornmelodien, um das Alphornspiel in den verschiedenen Facetten, um die traditionelle und moderne Alphornmusik und über die Zukunft des Alphorns war überaus interessant. Abschliessend bedankte sich die Zentralpräsidentin Karin Niederberger bei allen Teilnehmenden und lud zum gemeinsamen Apero ein, wo die Diskussionen rege weitergeführt wurden.

Musical „Urueh am Jodlerfescht“

Die Protagonisten des Jodlerfest-Musicals in Aktion

Die Protagonisten des Jodlerfest-Musicals in Aktion (Bild: swiss-image.ch/Moritz Hager)

Völlig überrascht wurden die Organisatoren vom Publikumsaufmarsch am Donnerstagabend. Das grosse Partyzelt war bereits prall gefüllt, als noch einige hundert Personen davor standen und Einlass begehrten. Ein erster Höhepunkt war hier mit dem Jugendmusical „Urueh am Jodlerfescht“ angesagt. 100 sing- und musikbegeisterte Schulkinder aus der ganzen Region Prättigau hatten dies von Dieter Walser geschriebene Musical in monatelanger Vorbereitung einstudiert. Was dem Publikum geboten wurde, übertraf die Erwartungen aller. Mit grossem Engagement spielten, sangen und tanzten Kinder und Erwachsene vom Pop über Rap bis zum traditionellen Volkslied und rissen die Zuschauer richtiggehend mit. Das Musical wurde am darauffolgenden Samstag ein zweites Mal erfolgreich aufgeführt.

Nach dieser 45-minütigen Darbietung präsentierten die Redaktoren der Musikwelle, Beat Tschümperlin und Sämi Studer verschiedene Bündnerformationen. Es war ein Auftakt erster Güte zu diesem unvergesslichen Eidgenössischen Jodlerfest.

Grandiose Festeröffnung

Alphorn-Grossformation Eröffnungsfeier

Alphorn-Grossformation an der Eröffnungsfeier (Bild: swiss-image.ch/Moritz Hager)

Eine solche Festeröffnung sucht seinesgleichen. Es waren Hunderte von Interessierten anwesend, um der farbigen und vielfältigen Eröffnung auf dem Sportplatz vor der Vaillant-Arena beizuwohnen. Der Grossaufmarsch von Vertretern des einheimischen sozialen und kulturellen Lebens zeigte den Gästen mit ihrem Einzug auf den Festplatz, wie herzlich sie in Davos willkommen sind. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Auslandschweizer-Klubs, die mit tosendem Applaus begrüsst wurden. Ein ebenso herzliches Willkomm wurde der OK-Delegation vom 28. Eidgenössischen Jodlerfest Interlaken mit der Verbandsfahne geboten. Es war ein prächtiges Bild: Die Fahnen aller Verbände, die Jodlerinnen und Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger in den bunten Trachten! OK-Mitglied Riet Frey, der zusammen mit Toni Thomann auch für die Organisation verantwortlich war, führte sympathisch durch das Programm.

Auslandschweizer-Veteranen geehrt

Kurzansprachen hielten der OK-Präsident Tarzisius Caviezel – der einen besonderen Dank an die vielen Helferinnen und Helfer aussprach – die Zentralpräsidentin Karin Niederberger sowie Herbert Seiler vom OK-Präsidium Interlaken. Wenn auch der kräftige Wind da und dort eine Frisur zerzauste, war er doch dafür verantwortlich, dass die Wolken vorübergehend weggeblasen wurden und der nasse Segen von oben noch eine Weile ausblieb.

Der Verantwortliche für die Auslandschweizer im EJV, NOSJV-Präsident Jörg Burkhalter, hatte die angenehme Aufgabe, die Auslandschweizer-Veteranen zu ehren und ihnen zu danken, dass sie unser Brauchtum auch fern der Heimat pflegen. Sie durften sich ihr verdientes Abzeichen von der Ehrenkontrolleurin Bernadette Kaufmann unter grossem Applaus überreichen lassen. Pünktlich um 16 Uhr zeigte die Patrouille Suisse ihre Künste am Wolkenhimmel und unterstrich damit lautstark und eindrucksvoll Festeröffnung.

Vorträge fanden grossen Anklang

Wettvortrag Forum

Wettvortrag Jodeln (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

Für sehr viele Jodlerfest-Besucherinnen und Besucher stehen die Wettvorträge der Aktiven im Mittelpunkt. So legen sie sich schon vor dem Fest einen Plan zurecht, welche Vorträge sie unbedingt besuchen wollen. Das Interesse zeigte sich schon am Freitagnachmittag und Abend. Nach dem Beginn der Alphornbläser auf zwei Plätzen am Nachmittag um 13.50 Uhr und der Fahnenschwinger in der Vaillant-Arena um 16.20 Uhr starteten um 18.30 Uhr auch die Konzerte der Jodelformationen.

Wettvortrag Alphornblasen

Wettvortrag Alphornblasen (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

In zehn Lokalen, die meist bis auf den letzten Platz gefüllt waren, boten die Jodlerinnen und Jodler abwechslungsreiche Konzerte. Die Konzerte wurden am Samstagvormittag fortgesetzt und dauerten bis in den Abend hinein. Ein Kränzchen darf der Bündner Jodlervereinigung für die sehr guten Ansagen und für die aufmerksame Betreuung der Aktiven und Besucher gewunden werden. Meist war ein Bündner Jodlerklub für jeweils ein Lokal zuständig. Dem Ressort Dekoration gehört ein dickes Kompliment für die prächtig geschmückten Plätze und Lokale.

Begeisterung für die freien Vorträge

Japanischer Frauen-Jodlerklub

Japanischer Frauen-Jodlerklub (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

Erstmals waren an einem Jodlerfest auch Konzerte im Angebot mit freien Vorträgen. Diese boten eine Plattform für spezielle und experimentelle Darbietungen, welche in den anderen Konzertlokalen nicht zu hören waren. Die Vorträge wurden nicht bewertet, die Vortragenden Jodlerinnen, Jodler oder Alphornbläserinnen und Alphornbläser mussten aber Mitglieder des Eidgenössichen Jodlerverbandes sein. Das Angebot stiess auf reges Interesse, sodass nahezu 40 Vorträge während dem ganzen Samstagnachmittag in der englischen Kirche zu hören und zu sehen waren. Da gab es spannende Kombinationen zu geniessen, Jodeln und Alphornblasen, begleitet von verschiedensten Instrumenten, mal witzig, mal überraschend – einfach speziell. Das Publikum war von den Darbietungen sehr begeistert. Wer sich allerdings nicht früh einen Platz in der Kirche sichern konnte, hatte kaum eine Chance, diesen Konzerten beizuwohnen.

Prix Walo-Sprungbrett

Am Samstagnachmittag wurde in Davos auch der Volkstümliche Prix Walo-Sprungbrett in den Sparten Jodel, Volksmusik und Alphorn durchgeführt. Das Interesse war hier ebenso gross – Sepp Trütsch und Monika Kälin durften diesen Wettbewerb vor grossem Publikum im gefüllten Partyzelt moderieren. Nebst Ländlerkapellen haben Jodel-Nachwuchsformationen teilgenommen, so der Kinderjodelchor Ammler Bergspatzä, das Jodelduett Geschwister Monney, das Jodlerterzett Geschwister Moser und die Solojodlerin Madlene Husistein. Die Geschwister Monney aus St. Antoni, Fribourg, konnten sich für den kleinen Prix Walo qualifizieren.

Jodlerdorf mit speziellem Ambiente

Jodlerdorf Impression

Jodler beim spontanen Vortrag im Jodlerdorf (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Jodlerdorf

Blick auf das Jodlerdorf (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Das Jodlerdorf im Kurpark bot ein spezielles Ambiente und war über die drei Festtage fast pausenlos gefüllt. An den Abenden gab es kaum ein Durchkommen, die schön geschmückten Zelte mit den vielfältigen kulinarischen Angeboten waren stets bis auf den letzten Platz besetzt. Am Samstagabend füllte sich bei angenehmem Sommernacht-Wetter auch die Promenade mit flanierendem Volk. Auf der verkehrsfreien Strasse wurde gejodelt und Alphorn geblasen, dass es eine Freude war. Viele Besucherinnen und Besucher genossen die spontanen Vorträge oder stellten sich dazu und sangen mit. Es herrschte friedliche Festfreude, wie man sich dies an einem Jodlerfest gewohnt ist.

Festakt voller Emotionen

Foto swiss-image

Überblick über die festliche Arena (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

Gewaltig, farbenprächtig, stimmungsvoll, unvergleichlich – diese Attribute und manche mehr treffen auf den Festakt vom Sonntagmorgen in der Vaillant-Arena zu. Kaum je waren so viele Besucherinnen und Besucher – darunter erfreulich viele Aktive – an einem Festakt dabei. Vor 5500 begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauern ging dieser Fest-Höhepunkt über die Bühne. Wenn bestandene Jodler sich hie und da verstohlen eine Träne abwischen, dann hat die Botschaft das Publikum erreicht. Nach der Eröffnung durch die Alphornbläserinnen, Alphornbläser und Fahnenschwinger der Bündner Jodlervereinigung richtete OK-Präsident Tarzisius Caviezel sein Grusswort an die Anwesenden und freute sich vor allem, als höchsten Gast Bundesrat Alain Berset begrüssen zu dürfen: „Davos hat sich herausgeputzt, um mit Ihnen ein unvergessliches Fest zu feiern.“

Fahnenschwinger beim Festakt

Fahnenschwinger beim Festakt (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

Nach herzlichen Dankesworten an die vielen Helferinnen und Helfer sowie an Sponsoren – ohne die ein solches Fest nicht durchgeführt werden könnte – machte sich Caviezel auch tiefgründige Gedanken zur Gestaltung der Zukunft unseres Landes. Diese könne nicht vom Staat verordnet werden, sondern müsse aus der Gesellschaft wachsen. „Die inneren Werte wachsen in den Familien, in den Vereinen, Gemeinschaften und Gemeinden, in der Vielfalt der Traditionen, in der Liebe zur Heimat“, so die Erkenntnis des OK-Präsidenten. Das sei der Kern unseres Landes, aktive Menschen die sich einbringen aus Liebe zu Land und Leuten.

La-Ola-Wellen für die Präsidentin

überglückliche Zentralpräsidentin Karin Niederberger

Überglückliche Zentralpräsidentin Karin Niederberger (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Die heisere Stimme der Zentralpräsidentin wäre an diesem Sonntagmorgen wohl nicht mehr ganz „vortragstauglich für die Jury“ gewesen. Nichts desto trotz fanden ihre emotionalen Worte direkt Zugang in die Herzen der Anwesenden. Sie sei überwältigt von diesem Bild in der Arena, von dieser Farbenpracht – im wahrsten Sinne zauberhaft. „Auch Bündner können ein eidgenössisches Fest organisieren“, freute sie sich und das OK erntete dafür einen tosenden Applaus vom Publikum. Dieser Anlass zeige es einmal mehr, unser gelebtes Brauchtum sei trendig und cool, echt, ehrlich und „ärdechön“, sagte Karin Niederberger. Nehmt den Schwung von Davos-Klosters mit nach Hause, empfahl sie den Anwesenden. Sie wurde für ihre Worte mit einer nicht enden wollenden La-Ola-Wellen belohnt. Der Bündner Regierungsrat Martin Jäger, selber aktives Mitglied im Jodlerclub Heimelig Chur, überbrachte die Grüsse der Bündner Regierung und blickte zurück in die interessante Geschichte der Bündner Jodlerklubs.

Jodeln macht aus Fremden Freunde

Festakt

Bundespräsident Berset spricht am Festakt (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

Grosse Begeisterung erntete ebenso Bundesrat Alain Berset für seine treffenden Bonmots. Das Jodeln und Jauchzen gehe über den Röstigraben problemlos hinweg, sagte der Westschweizer. Jodeln sei ein Gefühl in uns und stehe für das, was die Schweiz stark mache. Das Eidgenössische Jodlerfest erinnere uns daran, dass wir gemeinsam eine Gesellschaft bilden. Gerade in einer Zeit, in der die Menschen mehr Zeit im World Wide Web verbringen, als mit den Menschen in ihrer Nähe zu reden. „Man sollte mehr jodeln und weniger googeln“, schloss der Magistrat seine Rede und erhielt vom Publikum frenetischen Applaus. Die Fahnenübergabe war einmal mehr ein Höhepunkt. Das feurig rote Seidenbanner mit dem weissen Kreuz wechselte, begleitet vom Fahnenmarsch, von Fähnrich Ernst Zurbuchen zu Fähnrich Paul Meisser, nachdem es durch die Hände der OK-Präsidenten und der Zentralpräsidentin gegangen war. Besinnlich wurde es bei den Gedanken der Pfarrerin Cornelia Camichel Bromeis, die in ihre kurze gehaltvolle Predigt den Dank an den Herrgott in den Mittelpunkt stellte. Sie schloss mit den Worten:

Festakt

Buntes Fahnenschwingen am Festakt (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

„Der Mensch ist dann Mensch, wenn er zu jodeln und zu danken vermag!“

„I möcht no einisch feschta“

Der Festakt erhielt ein besonderes Gehalt durch die wunderschöne musikalische Umrahmung. Besonders berührend war die Uraufführung der Bündner Jodlervereinigung „I möcht no einisch feschta“ von Jakob Moser (Melodie) und Harri Bläsi (Text) – unter der Leitung von Hanny Küttel – in welche die Jodelchöre, Kinderchöre sowie die Alphornbläser und Fahnenschwinger mit einbezogen waren. Unter die Haut gingen die Vorträge der Toggenburger und der Appenzeller Naturjodler. Berührend war der Gesamtchor-Vortrag der Kinderchöre mit dem Lied „Sunnestrahle“ von Hannes Fuhrer. Stimmgewaltig erklangen die Gesamtchöre „E Hand voll Heimatärde“ von Hannes Fuhrer und „De Bärgwald“ von Fred Kaufmann. Am kräftigsten sangen jedoch alle mit beim Überraschungslied „Kamerade“ von Matthias Zogg, welches als Hommage an den vor kurzem 75 Jahre alt gewordenen Komponisten dargeboten wurde. Mit einer weiteren Uraufführung der Bündner Alphornbläser, „Ghörsch s’Echo vom Zauberberg“ von Urs Holdener fand der Festakt einen würdigen Abschluss. Der ganze Festakt wurde charmant von Maria Victoria Haas in schmucker Festtagstracht moderiert. Während nach dem Festakt in zwei Kirchen viel beachtete Jodlermessen vor grossem Publikum vorgetragen wurden, verzogen sich viele Festfreudige in alle Himmelsrichtungen, um sich vor dem nachmittäglichen Höhepunkt, dem Festumzug, zu verpflegen. Im Jodlerdorf und in den Festwirtschaften herrschte Hochbetrieb. Die offiziellen Gäste genossen ein feines, flink und freundlich serviertes Bankett im Saal Davos im Kongresszentrum.

Farbenfroher Festumzug

„So viele Leute auf einmal habe ich noch nie gesehen in Davos“

Farbenfroher Festumzug

Blick auf den farbenfrohen Festumzug (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Eidg. Jodlerfest 2014 Davos: Jodler vor Kongresszentrum

„Brauchtums-Botschaft“ vor dem WEF Gebäude (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

So staunte eine Einheimische und manche andere stimmten ihr zu. Zu Tausenden säumten die Zuschauer die Strassen, um den wunderschönen Festumzug mit 63 Nummern zu bewundern. Die prächtigen Sujets mit 1300 Mitwirkenden und rund 100 Tieren zeigten nochmals das „farbige Brauchtum am Zauberberg“ in schönster Weise. Angeführt wurde der Umzug von den Verbandsfahnen der Unterverbände und von der Eidgenössischen Fahne, wobei die Zentralpräsidentin diese winkend und jauchzend begleitete. Im nachfolgenden „Flüelapost-Sechsspänner“ wurden die Ehrengäste mit OK-Präsident Tarzisius Caviezel, Bundesrat Alain Berset und Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger durch die jubelnde Menge geführt. Vor der Ehrentribüne kommentierte den Umzug der bekannte Davoser Fernsehmoderator Jann Billeter, live am Fernsehen moderierten Nicolas Senn und Sämi Studer. Nach diesem grossen, imposanten Festabschluss machten sich die zufriedenen Festbesucher und Aktiven auf nach Hause mit einem Herzen voller schöner, dankbarer Eindrücke und wunderbaren Erlebnissen an dieses 29. Eidgenössische Jodlerfest in Davos-Klosters.

„Juzerli“

staunender Nachwuchs

Der Nachwuchs hört genau hin. (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

Gerne werde dem Jodlerverband vorgeworfen, er reglementiere alles, sagte Peter Baumann bei seinem einleitenden Referat zum Forum „Ich und unsere Traditionen“. Dass es diese Reglementierungen brauche, bestätigte er, relativierte jedoch diese gerade mal acht Regeln im Alphornblasen im Vergleich zum 150-seitigen Regelwerk der gerade laufenden Fussball-Weltmeisterschaft!

Auf dem Podium anwesend waren von traditionellen über experimentierfreudige Komponisten bis hin zu Interpreten, die alle Arten von Musik auf dem Alphorn spielen. Das machte die Diskussion, die auch provokative Aussagen enthielt, lebendig. Auf einen gemeinsamen Nenner konnte man bei einer solchen recht unterschiedlichen Runde kaum kommen. Zum Nachdenken über unsere Traditionen regte das Forum aber mit Sicherheit an.

Der OK-Präsident Tarzisius Caviezel wie auch die Zentralpräsidentin Karin Niederberger lobten den grossen Einsatz der vielen Helferinnen und Helfer, ohne die ein solches Fest niemals durchgeführt werden könnte. In die gleiche Bresche schlug auch Herbert Seiler vom Vorgänger-OK Interlaken und meinte, dass diese grosse Arbeit auch Kalorien verbrauche. Darum brachte er zur Stärkung einige Kalorien in Form eines Bergkäses und etwas Original-Gebranntes aus dem Berner Oberland mit.

Jodlerklub aus Brasilien

Jodlerklub aus Brasilien am Festumzug (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Viel Furore – auch in den Schweizer Medien – machte der 28-köpfige Jodlerklub Helvetia aus der brasilianischen Stadt Indaiatuba. Eigens für das Jodlerfest haben sie sich eine neue Tracht schneidern lassen. Obwohl viele von den Chormitgliedern kein Deutsch mehr sprechen, haben sie am Wettvortrag, am Samstagabend um 18.56 Uhr in der Marienkirche das Lied „S’Härzli im Baim“- komponiert von ihrem Dirigenten Noldi Heuberger- in echtem Obwaldner Dialekt gesungen. Sie haben mit ihrem Vortrag die Klasse 2, „gut“ erreicht.

Foto swiss image

Die Patrouille Suisse, das Foto-Sujet am Freitag (Bild: swiss-image.ch/Moritz Hager)

Die Patrouille Suisse musste nach dem eindrucksvollen Auftritt am Freitag nach der Festeröffnung die für den Samstagmittag geplante erneute Demonstration wegen des Wetters absagen. Nichts desto trotz kam ihr Chef, Bundesrat Ueli Maurer als „ganz gewöhnlicher“ Festbesucher nach Davos. Er machte sich mit der Zentralpräsidentin und ihrer Familie einen Eindruck von den verschiedenen Anlässen und genoss offensichtlich das schöne Fest.

Die Zentralpräsidentin hatte die EJV-Ehren- und Freimitglieder zu einem Treffen auf den Samstagmittag ins Jodlerdorf eingeladen. Diese sind der Einladung recht zahlreich gefolgt und haben es genossen, in geselliger Runde wieder einmal beisammen zu sein und frühere Zeiten in Erinnerung zu rufen. Mit Peter Portmann und Hermann Noser waren auch zwei ehemalige Zentralpräsidenten mit dabei.

Duett Nadja Räss - Marie Theres von Gunten bei Fernsehsendung

Duett Nadja Räss – Marie Theres von Gunten bei Fernsehsendung (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Hoher Besuch in der Live-Sendung „Zoogä-n-am-Boogä“ am Freitagabend, welche kompetent von Beat Tschümperlin moderiert wurde. SRG Generaldirektor Roger de Weck besuchte das Jodlerfest und nahm persönlich an der Sendung teil. Er war begeistert von den Vorträgen und outete sich als echter Jodlerfan. Die SRG aus allen vier Sprachregionen berichtete prominent während drei Tagen und sorgte dafür, dass auch die Daheimgebliebenen Eindrücke vom wunderschönen Fest erhielten.

Das Jodlerfest in Davos sei der beste Beweis dafür, dass der Brückenschlag zwischen der städtischen und der ländlichen Schweiz sowie dem Berggebiet möglich sei, sagte stolz der OK-Präsident und Landammann Tarzisius Caviezel. Dieser Tage liege über Davos der spürbare Zauber einer friedliebenden, respektvollen und heimatverbundenen Schweiz, gab Caviezel seiner Empfindung Ausdruck.

Er sei kein absoluter Laie, was das Jodeln betreffe, rühmte sich Bundesrat Alain Berset. „Ich weiss, dass der Kehlkopfschlag nichts mit Kampfsport zu tun hat“, sagte er und hatte die Sympathien des Publikums auf seiner Seite. Später sah man ihn gar mit einem Jodlerhut, der ihm wohl kurzfristig ausgeliehen worden war.

Am Rande des Festes, zwischen Bankett und Festumzug taufte „Graubünden Holz“ den Holz-Steinbock Gian, der danach stolzes Sujet beim Festumzug war. Ohne Verwendung von Schrauben, Nägeln oder Leim wurde die Holzskulptur aus 30 Einzelteilen zusammen gesteckt. Wer hätte als Götti wohl besser gepasst als der Nationalratspräsident, Präsident des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister und Jäger Ruedi Lustenberger.

Festumzug, Chomm Chueli, chomm!!

„Chomm Chueli, chomm“ am Festumzug (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Ein dickes Lob erhielt die Rhätische Bahn RhB an der sonntäglichen Pressekonferenz von OK-Mitglied, dem Leiter Logistik, Fred Pargäzi. Die RhB habe die Aufgabe hervorragend gelöst. Die Gäste seien nicht bloss transportiert worden, nein, man habe die Reise nach Davos für sie zu einem Erlebnis gemacht.

Noch am späten Sonntagabend war die Zentralpräsidentin Karin Niederberger mit ihrem Flyer unterwegs, um die letzten Festbesucher persönlich zu verabschieden. Sie war fast rund um die Uhr präsent, das bewiesen die durchgelaufenen Schuhe und ihre angeschlagene Stimme. Nichts desto trotz war sie am Schluss des Festes überaus glücklich über das gute Gelingen.

Luzi Kindschi und Peter Hertner – die beiden Pioniere für das Jodlerfest in der Bündner Jodlervereinigung dürften am Sonntagabend besonders glücklich gewesen sein. Sie nahmen die Idee des damaligen NOSJV-Präsidenten Ueli Walther auf, in Davos ein Eidgenössisches Jodlerfest durchzuführen und halfen, diese erfolgreich in die Tat umzusetzen. Sie haben mit grossem Engagement und viel Herzblut zum guten Gelingen beigetragen.

Fahnenschwinger beim Umzug

Fahnenschwinger beim Umzug (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

Es wurde gefestet und gefeiert

Es wurde gefestet und gefeiert (Bild: swiss-image.ch/Michael Buholzer)

Ein Gedanke zu “29. Eidg. Jodlerfest Davos – Rückblick”

  1. Marcel Kummer sagt:

    Dieser Anlass war einzigartig und hervorragend organisiert.
    Nochmals herzlichen Dank an das ganze OK
    Marcel Kummer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.