94. Delegiertenversammlung in Wollerau/SZ

585 Delegierte und Gäste reisten am Samstag im schwyzerischen Wollerau an, um an der 94. Delegiertenversammlung des Zentralschweizerischen Jodlerverbandes teilzunehmen.

Eisige Temperaturen herrschten am Samstag in Wollerau. Gewohnt gemütlich war aber die Stimmung der ZSJV-Jodlerfamilie, die sich zur diesjährigen DV in der Sporthalle Riedmatt eingefunden hatte. Edi Gassers „Bärgkristall“ eröffnete im Gesamtchor eine speditive, aber auch ereignisreiche Versammlung. 585 Delegierte und Gäste, davon 399 Stimmberechtigte, durfte ZSJV-Präsident Richard Huwiler im Namen des gesamten Vorstandes begrüssen, so auch Zentralpräsidentin Karin Niederberger, sowie Gäste aus der Politik.

Schöner Jahresrückblick

In seinem Jahresbericht blickte Huwiler auf „viele wunderbare, gesellige, kameradschaftliche, ergreifende aber auch traurige und nachdenkliche Momente“ zurück. Als „denkwürdig“ bezeichnete er die 100. EJV-DV in Wauwil – Egolzwil, an der 50 Gruppen und 49 Einzel-Delegierte des ZSJV anwesend waren. Erneut ein prächtiger Erfolg war der Brauchtumssonntag an der LUGA, in seiner vierten Auflage. Ein Höhepunkt im Vereinsjahr sei das Eidgenössische Jodlerfest in Davos gewesen: „Mit grosser Freude und Stolz konnte der Vorstand erneut feststellen, dass die Mitglieder unseres Verbandes mit grossartigen Leistungen in Davos auftrumpften und die Zentralschweiz als eine der Hochburgen von Jodelgesang, Naturjodel, Alphorn- und Büchelblasen sowie Fahnenschwingen auszeichnet“.

DV Halle Riedmatt Wollerau (Bild: Joël von Moos)

Auch die Robert Fellmann Stiftung, präsidiert von Peter Portmann, hob das Jodlerfest in Davos in ihrem Jahresbericht hervor. Ein Problem sei nach wie vor das unbewilligte Bearbeiten von Partituren. Der Verlag appellierte in seinem Jahresbericht ausserdem an die Dirigenten, die Suisa-Reglemente einzuhalten.

Geteilte Meinungen

Vor der Rechnungsabnahme, wo Verbandsrechnung, Revisorenbericht, Budget 2015 und Mitgliederbeiträge 2016 behandelt wurden (allesamt einstimmig angenommen), betrat Zentralpräsidentin Karin Niederberger die Bühne. Mit ihrer gewohnt herzlichen Art dankte sie dem ZSJV-Vorstand für die „hervorragende Arbeit“ im vergangenen Verbandsjahr. Niederbergers Hauptanliegen bestand aber in der „EJV Zukunftsplanung“: Jodeln sei im Aufwind, aber auch mit Arbeit verbunden. Um die regionale Vielfalt des Brauchtums zu erhalten und das Brauchtum wie bisher an die nächsten Generationen weitergeben zu können, sei eine Teil-Professionalisierung des Verbandes wichtig. Bei der Konsultativ-Abstimmung zu einem Systemwechsel bei den Mitgliederbeiträgen kam es dann zur Diskussion. Ein Redner, der sich namentlich nicht vorstellte, ergriff das Wort und äusserte den Wunsch nach „schlanken Strukturen“ im Verband und forderte ein „Nein“ in der Abstimmung. Die Konsultativ-Abstimmung endete mit dem Ergebnis 146 Ja- zu 203 Nein-Stimmen.

Einladung zum Jodlerfest

Musikalische Einladung ans Jodlerfest Sarnen

Musikalische Einladung ans Jodlerfest Sarnen (Bild: Joël von Moos)

Beim 60. ZSJV-Jodlerfest in Sarnen (26.-28. Juni) werden rund 50’000 Besucher und 3000 Aktive erwartet. OK-Präsident und Obwaldner Regierungsrat Franz Enderli hiess die versammelte Jodlerschar bereits jetzt herzlich willkommen und lud zum „Fyyrä bi dä Tschifeler“ ein. Nach sechsjähriger Tätigkeit als Gesamtobmann wurde Franz-Markus Stadelmann mit grossem Applaus verdankt, zu seiner Nachfolgerin wurde Bernadette Roos-Stadelmann gewählt.

Ehrungen

neue Ehrenmitglieder, Fuchs Fredy und Paul Frehner (Bild: Joël von Moos)

Der Fahnenschwinger Fredy Fuchs, als Juryobmann und Gesamtobmann bei unzähligen Jodlerfesten und Fahnenschwinger-Wanderpreis-Austragungen wurde für sein grosses Engagement zum ZSJV-Ehrenmitglied ernannt. Ebenfalls zum Ehrenmitglied wurde der Alphorn- und Büchelbläser Paul Frehner ernannt. Unter grossem Applaus wurde er für sein Schaffen und Wirken im Verband und für die kompetente und grosse Arbeit für das Alphornwesen geehrt.

 

 

 

Ehrungen

Ehrungen (Bild: Joël von Moos)

Am Abend wurden je zwei Gruppen für 75 Jahre und 25 Jahre Verbandszugehörigkeit geehrt. 16 Ehrenveteranen wurden für 50 Jahre, 90 Veteraninnen und Veteranen für 25 Jahre Verbandszugehörigkeit geehrt.

Kommentar zur Konsultativ-Abstimmung

jvm. Marketing, Lobbying, „Swissness“ – Nein, die Broschüre zur EJV Zukunftsplanung ist wahrhaftig keine leichte Lektüre. Das Brauchtum ist ein zartes Gut, vor allem in der heutigen Zeit, die von Schnelllebigkeit und Anonymität geprägt ist. Und nun kommt auch noch der EJV und will die Zukunft planen, um die Position in der Kulturlandschaft Schweiz zu festigen: Der EJV als „Kompetenzzentrum für Brauchtum“. Sauer stiess dieses Vorhaben den 203 Delegierten auf, die am Samstag gegen einen Pro-Kopf-Mitgliederbeitrag stimmten.

Ein Redner sprach von „Einheitsbrei“ und „Verwaltungsapparat“ und stellte die Frage: „Wofür brauche ich den Verband eigentlich?“ Diese Frage ist leicht zu beantworten: Nachwuchsförderung, da sonst das Brauchtum ausstirbt. Kurswesen, da es mit dem wilden Schwingen eines Taktstocks nicht getan ist. Und nicht zuletzt: Jodlerfeste, da sie der Inbegriff von gelebtem Brauchtum sind. Ich erlaube mir diese Plakativität, da die obige Frage an der Versammlung ebenfalls zum Zwecke der Polarisierung gestellt wurde.

Das breite Interesse am Brauchtum ist mit der Notwendigkeit einer professionellen Verbandsführung verbunden. Sollte dieses Ziel an einer effektiven (wenn auch sehr geringen) Erhöhung des Mitgliederbeitrags scheitern, so liegt dem Einzelnen nicht viel daran. Das Ziel des EJV ist zwar komplex formuliert, doch im Grunde ganz einfach: Das Brauchtum soll lebendig, vor allem aber erhalten bleiben. Wer an der EJV-DV vom 07. März abstimmt, sollte sich noch einmal gründlich die Broschüre zu Gemüte führen, auch wenn er sie zwei Mal lesen muss.